Chronik

Ortsgeschichte

Lauterbach mit Heuber, 1338 m

Zehn Kilometer südöstlich von Rosenheim liegt Lauterbach, fast mit Autobahnanschluss an die Strecke München-Salzburg.

Erstmals erwähnt wird das Dorf ein einem Verzeichnis aus dem Jahre 788, das Bischof Arno von Salzburg aufstellen ließ. Der Ort durfte aber älter sein, denn die Anordnung der Häuser in Richtung Osten sind typisch für Haufendörfer germanischen Ursprungs. In den älteren Urkunden wir Lauterbach „Lutrinpah“ geschrieben, das dürfte zurückgehen auf „Lothari Pagus“ (Gau des Lothar), ein Edelsgeschlecht, das bereits vor Karl dem Großen in Lauterbach gelebt hat. Später saß dann das Adelsgeschlecht der Friesinger auf Lauterbach, von diesem wurde der Geißbock in das Gemeindewappen übernommen.

Ausblick von Immelberg über Lauterbach
Ausblick von Immelberg über Lauterbach

Im Jahre 1550 zählte Lauterbach bereits dreißig Höfe, von denen aber keiner frei und selbstständig war, sondern diese waren im Besitz von neuen verschiedenen Klöstern und Kirchen. Im historischen Atlas von Bayern, Teil Rosenheim, wird Lauterbach bereits 1761 mit den Weilern Immelberg und Schaurain als „Hauptmannschaft“, zum Amt Rosserberg gehörend, erwähnt. Die jetzige Kirche, dem Hl. Johannes dem Täufer geweiht, stammt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts und wurde um 1770 im Geschmack der Barockzeit umgebaut. Dabei musste auch der Sattelturm weichen. Der Glockenstuhl aus dem Jahre 1766 ist bis heut noch in einem guten Zustand. Das Schiefer des Kirchendaches stammt aus Frankreich und wurde 1872 als Wiedergutmachung für den Krieg 1870/71 geliefert. Als Taufkirche für ein großes Einzugsgebiet war Lauterbach einst eine reiche Kirchengemeinde. So wurden im Jahre 1660 für den Bau der St. Nikolaus-Kirche in Rosenheim 750 Gulden und 1765 für die ausgebrannte Kirche in Rohrdorf auch 150 Gulden beigesteuert.

Auf der Suche nach Bodenschätzen entdeckte man zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Gebiet von Schaurain Braunkohlevorkommen. In drei Stollen wurde zwischen 1910 und 1924 Kohle für den Bedarf in der engeren Umgebung abgebaut. Noch 1971 war Lauterbach mit etwa 500 Einwohnern eine der kleinsten Gemeinden des Landkreises Rosenheim. Wichtige öffentliche Aufgaben wurden stets mit großem Elan angegangen: Im Jahre 1922/23 wurde das Schulhaus erbaut, das bis 1972 seinen Dienst tat und bis 2005 dem Trachtenverein als Übungsraum diente. Eine zentrale Wasserversorgung für die ganze Gemeinde wurde 1956 geschaffen; 1965 wurde mit der Flurbereinigung der Dorfbach verrohrt. Durch den Bau der Umgehungsstraße 1970 hat der Wohnwert Lauterbachs erheblich gewonnen.

Am 1. Januar 1972 schloss sich die Gemeinde Lauterbach freiwillig mit Rohrdorf zusammen. Der Ort ist in den letzten drei  Jahrzenten stattlich angewachsen, hat aber seine ländlichen Eigenheiten bewahrt; hier kennt noch jeder den anderen. Erfreulich ist der lebendige dörfliche Gemeinschaftsgeist, der sich auch in guter Nachbarschaft und einem regen Vereinsleben zeigt.

Die Entstehung des Lauterbacher Trachtenvereins 

Vorstand Unterseher erinnert sich und erzählt: „Sechs Buam warn uns damois, 1936, zwischen 10 und 15 Johr, beim Zoß´n im Hausgang ham ma ogfangt. Wolfgang und Andrea Unterseher, Wolfgang Noichl, Sepp Obermaier, Toni Leitner und Fritz Schlaghaufer. Die letzten drei san im Zwoat´n Weltkriag gfoin. Der Zoß´n Papp hot uns de ersten Schuhplattlerschläg beibrocht, soweit er si vo Höhenmoos, wo er selber als junger Bursch beim Trachtenverein war, no erinnern hot kinna. An „Häuslratz“ und da „Inzell-Landler“, de zwoa Plattler war´n de ersten, de ma g´lernt ham.

1945, wia ma vom Kriag hoamkemma san, hama dann auf neue o´gfangt. Zu zwoat san ma mit de Radl zu de „Innviertler“ auf Rosenham neig´fahrn und do drin hamma weita glernt. Mir hams dann an unsere Buam heraußn weitergebn. Es hot net lang dauert, dann san uns scho a Plattlergruppn mit acht Buam und de Dirndl dazua gwesn. Der nächste Schritt: mir mechtn hoit gern an Trachtenverein gründn. Aber wia?

Zur damaligen Zeit war des recht schwaar, oganga is des scho glei beim Gwand, bei de Strümpf und bei de Schuah. Nix hod ma kaffa kinna, ma hot se irgendwia selba helfa miaßn. Aber bei so vui guaten Willen san die Schwierigkeiten olle überwunden worn. Jetzt braucht ma hoit a an Nama und an Vorstand für unsern neia Verein, do is uns eig´foin, „D´Lindntaler“ passert do recht guad zu uns. Wo ma do de oide Dorflindn am Kirchplotz ham und a junge wern ma nach der Gründung glei pflanzn. Da Schmaus Hans is inzwischn grod vo da G´fangaschaft hoamkemma, der muaß uns an Vorstand macha. Hot er doch ollawei scho de kurze Lederhosn trogn und für de Trachtler wos übrig g´habt. A kloans Häuferl warn uns bei da ersten Zammakunft beim Oidn Wirt, vielleicht zwanzge, do hamma dann des Wichtigste ausgmacht und scho glei hig´arbat auf unsa Gründungsfest. Mir wollten natürli glei fest ausrucka, damit a dann zu uns Leit kemman. Da Schreiner Brunner hot uns schnell a größas Tafer gmacht, des ma dann stoiz mittrong ham.

Am 20. Juni 1948, am Tog der neien Währung, wars dann soweit mit unserm Gründungsfest. Gren´gt hot´s den ganzn Tog und bei dem Sauwetta hama unsern neia Verein aus der Taufe g´hobn. A kloana Festzug war´s, ma hot nix g´sehn ois lauter Regenschirm. Unsern Verein aber hots doch recht guad do, denn vo do ab is na recht guat aufwärts ganga.

Unser nächstes Zui, des ma uns vorgnomma ham, war dann: a neie Fahna muaß her.

Theater gschpuit is worn, alle Leit ham recht großzügig gebn – vo de Bauern meistens Holzbam, de mir vakafft ham. 2400 Mark hot de neie Fahna damois kost, des war dann schnell beinand.

Oa Jahr drauf, am Pfingstsonntag, den 5. Juni 1949, wiederum regnerisches Wetter, war unser großer Heimatabend mit´m Kiem Pauli, de Riederinger Buam und der Festmusi aus Riedering. Der Pauli hot auf seiner Zither gschpuit und dazua gsunga. Es war eahm guat zum Zuahörn. A Stückerl Gselchts war ois, wos er dafür verlangt hot. Er is dann bei uns übernacht bliebn und am andern Tog nach Kreuth mit´n Zug hoamgfahrn. Am Pfingstmontag war unser großer Tog der erstn Fahnaweih.l Ois war guat gricht und vorbereit´. Um sechse in da Fruah war der Weckruf durch´n Ort. Am Rottbichl war der Festaltar aufbaut, Kooperator Siegfried Schneider hot den Festgottesdienst obg´hoitn, de neie Fahna g´weiht und ergreifend predigt. Fahnamuatta war Kathi Fischbacher und Fahnabraut die Maria Bauer. De „Innviertler“ Rosenheim ham uns an Göd g´macht. An Festprolog ham de Heisla Peta (Perpetua) und da Zoß´n Anderl vortrong. Bei herrlichem Wetter san dann die Trachtenvereine durch den Ort zogn. Die ältere Generation werd des große Fest sicher no in guater Erinnerung hobn.

Vui Trachtler ham bisher fest mitg´arbat, darunter bsunders da Gründungsvorstand Hans Schmaus vo 1947 bis 1974, wo er zum Ehrenvorstand ernannt worn is. Beachtenswert is a de lange Kassierzeit vom Ametsbichler Ludwig sen., der vo 1947 bis 1988 auf unsa Geld aufpasst hot. Da Weinberger Franz hot scho de Suibahochzeit ghabt mit seina Fahna, seit 1963 trogt er´s bei jedem Anlass.

1968 war unser 20-jähriges Gründungsfest – im kloana Rahmen – bloß mit de Nachbarvereine. Zum 30-Jahrigen ham mir a neie Fahna kriagt, wieder war´n „D´Innviertler“ Pate. Den Festgottesdienst hot der H.H. Pfarrer Georg Gilgenrainer von Höhenmoos g´hoitn, der a de neie Fahna und de Erinnerungsbänder g´weiht hot. 43 Trachtenvereine, zwölf Musikkapellen und zehn Festwagen san beim schönsten Sommerwetter durch den Ort zogn.

De ersten Maibam z´Lauterbach ham de Trachtler am 1. Mai 1983 aufgstellt und 1987 durch an andern ersetzt.

 

Gaufest 1988

Des größte Fest in der Geschicht vo unserm Dorf hot Lauterbach mit dem Gaufest 1988 gsehgn, des am 9. und 10. Juli 1988 – verbunden mit unserm 40-jährigen Gründungsfest – Tausende vo Zuschauer miterlebt ham. Den Festgottesdienst in dem Altarhäusl, des mir eigens dafür baut ham, hot der H.H. Pfarrer Aumer aus Rohrdorf mit uns g´feiert. Am Nachmittog ham se dann über 4000 Trachtlerinnen und Trachtler, 17 Festwägen und 20 Bloskapelln am Festzug beteiligt. Bei der anschließenden Festwoch war ara Veranstaltung von der Rohrdorfer Gmoa, wo aus Anlaß der 1200-Jahr-Feiern da Boarische Ministerpräsident Franz Josef Strauß gredt hot. Dass des sei letzer großer Auftritt war, hot a koana denkt.“ (Soweit die Erzählungen von Wolfgang Unterseher, der seit 1975 erster Vorstand ist, seit Gründung des Vereins bis 1959 1. Vorplattler und 13 Jahre 1. und 2.Gauvorplattler war –ww-.)

 

An Fronleichnam wird die Statue der Mutter Gottes von vier Dirndl in Festtracht bei der Prozession durch den Ort getragen. Der Verein hat als Herberge seit Gründung folgende Lokale: Gasthaus Alter Wirt (Brem), Neuwirt (Urscher), Gasthaus Alpenblick (Endress) und unser Dorfhaus (Chiemseestr. 1)

 

Besonderheiten unserer Tracht

Die Dirndl tragen zur Miesbacher Festtracht einen schwarzen Filzhut mit Spielhahnfeder.

Im Kassetelgwand der Frauen sticht das weiße Brusttuch mit der Goldstickerei hervor. Der „Brettlhut“ mit der Goldstickerei ist auf der Unterseite mit Perlen besetzt, eine Goldquaste liegt seitlich auf dem Hut und zwei schwarze lange Bänder hängen hinten herab.

Die graue Joppe der Buam sind am Ärmel und Revers mit grünem Eichenlaub verziert, die Ärmel haben zusätzlich einen grünen Streifen (paspeliert), die Rückenspange – meistens ein großer Hirschhornknopf mit eingeschnitztem Edelweiß – ist ebenfalls links und rechts von grünem Eichenlaub eingefasst. Den Hosenträger ziert das ehemalige Lauterbacher Gemeindewappen, den Chiemgauer Hut eine Spielhahnfeder, die Strümpfe sind naturfarben weiß.

Quelle: "Gau-Chronik" - Chronik des Bayerischen Inngau-Trachtenverbandes e.V. mit seinen angeschlossenen Vereinen (1993)